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Jahresrückblick 2018

Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu und diese Zeit lädt regelrecht dazu ein, zurückzublicken auf die vergangenen Monate.

2018 war für mich ein sehr ereignisreiches Jahr. Vor allem natürlich durch meine Entscheidung, eine eigene Freie Gesellschaft aufzubauen. Ende 2017, als ich den Entschluss gefasst hatte, war mir absolut nicht klar gewesen, wie sehr mich meine bevorstehende Aufgabe verändern würde.
Es war für mich ein sehr aufregender, aber auch beängstigender Schritt. Ich hatte absolut keine Erfahrung in diesem Bereich und Final Fantasy XIV hatte zwar einen großen Platz in meinem Herzen, aber meine Angst vor dem Spielen mit Fremden war noch immer da. Ich hatte kein Vertrauen in meine Fähigkeiten als Spielerin, was nicht unbedingt eine gute Voraussetzung für eine Führungsposition in diesem Spiel erschien.
Genau das sollte sich durch die Gesellschaft ändern. Ich wollte mich anderen Spielern anvertrauen, um so mehr Selbstsicherheit zu erlangen. Rückblickend habe ich viel mehr als das gewonnen.

In den ersten Wochen und Monaten war ich ständig erschöpft.
Als ambitionierter Einzelgänger war es nie ein Problem gewesen, meinen Perfektionismus auszuleben und alles bis ins kleinste Detail zu planen. Was ich allerdings bei all den Gedanken, die ich mir gemacht habe, nicht bedacht habe, war die Tatsache, dass ich nun mit anderen zusammen arbeiten würde. Und das bedeutet meist, Kompromisse einzugehen und das Wohl der Gemeinschaft über das eigene zu stellen. Das fiel mir unendlich schwer und hat mich nicht selten zur Verzweiflung gebracht. Jeder wollte es einfach halten, ich kompliziert.
Ich bin immer wieder gegen eine Wand gelaufen. Und das hat mir sehr viel Kraft genommen.
Ich wollte unbedingt alles perfekt machen, obwohl mir die Erfahrung und das Gespür dafür fehlten, wie eine Gesellschaft geleitet werden sollte. Meiner Persönlichkeit geschuldet, war ich auch nicht gut im Umgang mit anderen Menschen. Der Zwang, das zu ändern, erhöhte den Druck auf mich selbst nur noch weiter.
Irgendwann musste ich einsehen, dass es so nicht weitergehen konnte. Ich musste meine gesamte Denkweise umkrempeln, wenn das funktionieren sollte. Und ich wollte, dass es funktionierte. Nicht, weil ich es perfekt haben wollte, sondern weil ich all jene, die damals Teil der Gesellschaft waren, lieb gewonnen hatte und sie nicht enttäuschen wollte.
Denn bei all den Anstrengungen, mit denen ich zu kämpfen hatte, war mir die Zeit, die ich mit meiner Gesellschaft verbracht hatte, unglaublich wichtig und bedeutete mir viel. Das wollte ich nicht aufgeben.
Da ich beruflich in einer ähnlichen Situation steckte, war mir klar, dass es Zeit war, die Richtung zu ändern. Ich brauchte wieder einen klaren Kopf und einen ruhigen Geist.
Denn ich war nicht zufrieden. Vor allem nicht mit mir.

Schließlich fand ich zu einem Thema, das mir den richtigen Weg zeigen sollte: Achtsamkeit.
Dabei soll man sich im Hier und Jetzt befinden und mit sich selbst im Einklang sein. Selbstakzeptanz und Verständnis für die eigene Persönlichkeit stehen dabei im Vordergrund. Es klang genau nach dem, was mir fehlte.
Ich las eine große Anzahl an Büchern und Magazinen zu diesem Thema. Und es begann zu wirken.
Es war ein langer Prozess, aber schließlich konnte ich mich Gedanken öffnen, die mir vorher unvorstellbar vorkamen.

Ich bin bereit, Hilfe anzunehmen und Vertrauen zu haben.
Es muss nicht alles perfekt sein.
Ich muss nicht alles allein stemmen.
Meine Persönlichkeit ist nicht darauf ausgelegt, gesellig zu sein und das ist in Ordnung.

Es war befreiend, zu akzeptieren, dass ich nicht alles allein schaffen kann und muss.
Offen zuzugeben, dass ich Schwierigkeiten damit habe, mit anderen zu reden, hatte mir eine große Last abgenommen.
Besonders, weil jeder verständnisvoll war und mich unterstützen wollte.
Dass ich diesen großen Schritt gehen konnte, hatte ich den Mitgliedern meiner Gesellschaft zu verdanken. Sie haben mich nicht nur zu einer besseren Gesellschaftsleitung gemacht, sondern auch zu einem glücklicheren Menschen.

Ich hätte nie meine Einstellung zu meinem Perfektionismus geändert, wenn es nicht Menschen in meiner Umgebung gegeben hätte, die ihn kritisiert hätten. Natürlich war das anfangs schmerzlich für mich, aber letztlich war es das Beste, was mir passieren konnte.

Als das Jahr begonnen hat, hatte ich sehr genaue Vorstellungen davon, wie meine Freie Gesellschaft aussehen sollte. Klar strukturiert, mit festen Arbeitsabläufen und stark darauf ausgelegt, Neulingen zu helfen.
Das ist wahrlich nicht, was die Schnuffelgarde ist. Und das ist gut so. Sie ist viel mehr als das, was ich mir je hätte vorstellen können. Etwas, das nicht durch genaue Planung und Organisation entstehen kann. Es sind die Mitglieder, die sie formen.
Ich habe noch immer den Wunsch, neue Spieler für FFXIV zu begeistern und zu unterstützen, aber das muss nicht im Rahmen der Gesellschaft sein. Wenn ich etwas planen und organisieren will, muss das nicht innerhalb der Gesellschaft passieren.
So viele Mitglieder passen auf die Schnuffelgarde auf. Ich muss nicht rund um die Uhr da sein, damit es funktioniert. Ich kann mich also auch anderen Projekten widmen.
Es tut gut, das zu wissen.

Letztlich möchte ich mit all dem eigentlich nur eines sagen: Danke. Danke für die Unterstützung, die mir gegeben wurde und immer noch gegeben wird. Danke für all die Kritik, die Vorschläge, das Lob, die Herzlichkeit, das Verständnis.

Danke, dass ich endlich sehen konnte, dass ich mehr sein kann, als das, was ich vorher war.
Ich bin stolz auf die Schnuffelgarde und all ihre Mitglieder. Wir haben in diesem Jahr viel erreicht und ich freue mich auf das, was uns im nächsten erwartet.